Amt, Mensch und Gesinnung: „Politische Porträts“ von Götz Schleser
26.09.2019

Amt, Mensch und Gesinnung: „Politische Porträts“ von Götz Schleser

Annegret Kramp-Karrenbauer, Cem Özdemir, Andrea Nahles oder Christian Lindner – der Berliner Fotograf Götz Schleser fotografiert Deutschlands politische Größen. Dieses Jahr war Götz Schleser zum Festival als Mentor beim BFF-Förderpreis aktiv und hat jetzt zum aktiven Fotoherbst eine Ausstellung in der Leica-Galerie.

Was ist es, das einen Politiker ausmacht? Die politische Gesinnung – natürlich. Eine individuelle Interessenlage – versteht sich. Und der menschliche Aspekt ist mitunter auch nicht ganz unwichtig. Alles das in ein Bild zu bekommen, das ist das Ansinnen des Fotografen Götz Schleser. Dafür bereitet er sich nicht nur in tagelanger, sorgfältiger Recherche auf sein Gegenüber vor, sondern sondiert Orte, Plätze und Möglichkeiten, um das bestmögliche Bild zu machen. In seinen Fotografien entstehen darum keine simplen Abbilder, sondern politische Porträts im eigentlichen Sinne. Schleser zeigt, worum es geht – im Amt und im Menschen, immer im Wechselspiel mit Fassade, Schönfärberei und Meinung (ob die des Abgebildeten oder des Fotografen sei dahingestellt) – und zwar so ehrlich, wie es eben möglich ist. Wir haben ihn zu seiner Arbeit befragt:

horizonte zingst: Warum Portraitfotografie?

Götz Schleser: Ich habe schon ganz früh – zunächst in meinen freien Arbeiten – begonnen, ausschließlich Menschen zu fotografieren. Beruflich habe ich als junger Fotograf natürlich erstmal jeden Job angenommen: Architektur, klassische Werbeaufnahmen, Produktfotografie, Food und Portraits. Als ich dann eines Tages einen Akquisetermin hatte, klappte der zuständige Fotoredakteur meine bunte Mappe zu und fragte mich, was er mir denn nun für Jobs geben solle: Reportage, Porträt, Architektur…. ? Mir war ohne Nachdenken klar: Porträt! (Für diese Frage bin ich Andreas Eucker heute noch dankbar!) Das war der Startschuss. Meine nächste Mappe bestand dann ausschließlich aus Porträtaufnahmen – ich wollte nur noch Aufträge für Porträt-Fotografie bekommen.

Was unterscheidet Politikerporträts von anderen?

Nichts! Oft habe ich wenig Zeit zur Verfügung, da der Terminkalender eines Politikers extrem eng ist. Aber das ist auch bei Nicht-Politikern, die in Führungspositionen sind, so.Letztlich ist es mir egal, wer vor meiner Kamera steht, es könnten auch Schauspieler oder Künstler sein. Bei meiner Arbeit mache ich da keine Unterschiede und versuche immer, ohne irgendwelche Scheren im Kopf zu fotografieren. Denn mit Schere im Kopf entsteht kein gutes Bild. Mein Ziel ist es, Menschen so zu fotografieren, dass man auf dem Bild erkennt, dass die Person bei sich ist und keine künstliche Fotomaske trägt, denn beliebige Bilder gibt es zuhauf, diesen Berg möchte ich nicht noch größer werden lassen.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Porträts vor?

In erster Linie investiere ich viel Zeit in den Aufbau meines Bildes, also Location-Suche, Licht, Motivgestaltung. Beim ersten persönlichen Kontakt versuche ich dann, das Gespräch sofort auf eine persönliche Ebene zu lenken. Wenn ich zum Beispiel weiß, dass jemand Läufer ist – ich laufe selber Marathon – frage ich nach der zuletzt gelaufen Zeit. So entsteht sofort eine verbindende, persönliche Ebene, jenseits unserer beruflichen Themen und Welten.Ich suche bei jedem Menschen, den ich portraitiere, vorab nach einem Thema, das uns verbindet oder das wir teilen, so dass der Gesprächseinstig leichter, positiver und privater gelingt. Daher lese ich vor dem persönlichen Treffen viele Interviews von der jeweiligen Person. Diese Recherche zu dem Menschen hinter seiner öffentlichen Funktion ist für meine Arbeit extrem wichtig.

 

Was ist Ihre ungewöhnlichste Erinnerung an ein Politikershooting?

Das ist sehr privat und soll es auch bleiben.Aber schwer beeindruckt hat mich Roland Koch, der in seiner Funktion als Politiker in den Medien immer ein extrem negatives, fast verheerendes Bild hatte. Als Mensch, mir gegenüber, war er eine sehr warme, aufmerksame und freundliche Person und so respektvoll wie kein anderer Mensch, den ich vorher fotografiert hatte.Das hat mich gelehrt, immer frei von gängigen Medienmeinungen und der öffentlichen Wahrnehmung, Fototermine wahrzunehmen und den jeweiligen Menschen ohne Vorurteile zu begegnen. Ausgenommen, ich müsste jemanden aus einer radikalen Ecke fotografieren, da hört meine Neutralität definitiv auf!

Haben Sie unter den Bildern einen Favoriten und wenn ja, warum?

Unter den Ausstellungsbildern ist ganz klar mein Favorit das Bild von Carsten Schneider, der sich ganz klein in dem Wasser eines Grabens in Weimar spiegelt. Das trifft so sehr meine Art zu fotografieren. Ich mag es, wenn Bilder verspielt sind, man nicht sofort von Ihnen erschlagen wird und man länger ein Bild betrachten möchte. Wie ein Spaziergang mit dem Auge auf dem Bild, bei dem man viele kleine Details entdecken kann - das mag ich wahnsinnig gerne.

Welche*n Politiker*in würden Sie gerne nochmal oder überhaupt mal fotografieren?

Margaret Thatcher, Angela Merkel, Heiner Geißler, Volker Kauder im Zirkus.

Die Ausstellung „Politische Porträts“ von Götz Schleser wird am 3. Oktober 2019um 14 Uhr gemeinsam mit dem Fotografen in der Leica Galerie Zingst eröffnet.

Website: https://www.goetzenbilder.net/

Instagram: https://www.instagram.com/gotzschleser/

Facebook: https://www.facebook.com/gotz.schleser

Wer mehr über Götz Schleser wissen möchte, der ist herzlich eingeladen, sich einen Podcast mit ihm aus der Reihe Shuttertalk (von und mit Florian W. Müller) anzuhören: https://www.florianwmueller.com/shuttertalk/

 

Das Interview führte Edda Fahrenhorst

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