Blättertiere: Drei Fragen an Eva Häberle
28.05.2018

Blättertiere: Drei Fragen an Eva Häberle

Wie sind die Blättertiere entstanden? Hatten sie zuerst das fertige Bild im Kopf und haben sich dann auf die Suche nach den Materialien gemacht oder entstanden die Tiere auf Grund einer Vorlage oder vielleicht sogar ganz spontan anhand der Fundstücke? Wie lange dauert es ein Blättertier zu legen?

Eva Häberle: Oft hat ein Material die Idee ausgelöst. Die Katze ist zum Beispiel so entstanden - ich habe eine üppig gefüllte Rosenblüte gesehen und fand, sie sah aus wie das miesepetrige Gesicht einer Perserkatze. Ein Wirsing erinnerte mich an Elefantenhaut, die Farbe einer Magnolienblüte an einen Flamingo. Einmal hatte ich einen Strauß Dahlien auf dem Küchentisch stehen. Eine Knospe war nicht aufgegangen, aber sie schaute mich drei Tage lang scharf wie ein Reptilienauge an. Daraus wurde dann die Eidechse. Allerdings hat es ein paar weitere Tage gedauert, bis ich erkannte, dass der Körper der Eidechse aus Buchsbaum sein sollte.

Manchmal hatte ich auch Lust auf ein bestimmtes Tier und dann kam mir das entsprechende Material unter. So der Rabe. Im Wald hatten die Arbeiter Äste verbrannt. Da habe ich die halbe Feuerstelle in Tüten mit nach Hause geschleppt.

Bei jedem Bild habe ich vor dem Arrangieren Skizzen gemacht, um besser zu verstehen, wie das Tier aufgebaut ist. Das ist auch deshalb notwendig, weil es bei der Arbeit mit Blättern und Blüten schnell gehen muss, damit die Zutaten nicht welken. Es war also besser, genau zu wissen, was ich wollte. Es konnte dann trotzdem sein, dass das Material einen Strich durch die Rechnung machte – oder sogar durch seine Beschaffenheit noch ein I-Tüpfelchen draufsetzte. Ganz genau voraussehen konnte ich es nie, es sind eben Naturmaterialien. Anfangs habe ich die Bilder im Freien fotografiert, dann zunehmend im Studio, schlicht und einfach deshalb, weil sonst über der Arbeit die Hälfte wegweht oder wegschwimmt. Deshalb ist die Ente auch zu Hause in einer großen Wanne entstanden und nicht im Teich. Alles in allem dauert so ein Bild von der ersten Idee oder Skizze bis zum fertigen Foto zwei bis drei Tage. Der Startschuss für die Blättertiere entstand „zufällig“ auf einem Bahnhof. Was denken sie über Zufälle? Gibt es diese oder ist alles vorherbestimmt?

Eva Häberle: Manchmal ist die Zeit reif und so werden Ereignisse zu Zufällen. Als ich dort am Bahnhof saß, war mein Kopf frei und es war Platz für Experimente.

 

 

Eröffnung der Ausstellung "Blättertier" auf dem Museumshof Zingst

Wie sind sie auf die Idee gekommen, ihre Bilder mit den humorvollen Texten von Thomas Gsella zu unterlegen? Was war zuerst da, die Texte oder die Bilder?

Eva Häberle: Ich habe mir von Beginn meiner Arbeit an Thomas Gsella als Autoren gewünscht. Mir war wichtig, dass Wort und Bild zusammen nicht ins Niedliche abgleiten. Ich kannte Gsellas Arbeit und mag das Bissige daran, besonders mag ich seine Schmähgedichte auf Städte. Ich habe gewusst, dass er etwas Überraschendes zu meinen Bildern schaffen wird. Dann traf ich ihn in Frankfurt auf der Buchmesse bei der Titanic-Party und habe ihn einfach gefragt, ob er meine Bilder bedichten wolle. Und glücklicherweise hat er sehr schnell ja gesagt.

 

zur Fotoausstellung Blättertiere

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