Claudio Verbano - „L`incompiuto
15.11.2018

Claudio Verbano - „L`incompiuto

Claudio Verbano – ein Name , der aufmerksamen Beobachtern bereits vom 11. Umweltfotofestival »horizonte zingst« bekannt sein dürfte. Zum zweiten Mal konnte der Fotograf nun eine hochkarätige Jury von seinen Arbeiten überzeugen.

Claudio Verbano

Seit Ende September ist in der Epson Digigraphie Galerie die Ausstellung des Fotografen Claudio Verbano zu sehen. Gewonnen hat er mit seiner Serie „L`incompiuto (Das Unvollendete)“, den von Epson und dem Umweltfotofestival »horizonte zingst« ausgerufenen Digigraphie-Fotowettbewerb in der Kategorie „Architektur und Natur“. Der junge Fotojournalist legt den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Auswirkungen sozialer und wirtschaftlicher Missstände für Gesellschaften und Menschen. Vor diesem Hintergrund hat Verbano Informationen zu Bauprojekten in Sizilien gesammelt, die durch staatliche- oder EU-Gelder finanziert wurden, aber bis heute nicht abgeschlossen sind.

Im Interview erzählt Claudio Verbano über seine Arbeitsweise, wie er seine Themen findet und welche Projekte die Zukunft bringt.

Sie sind Fotojournalist, wie erarbeiten Sie generell Ihre Themen?

Ich bin immer an sozialen Themen interessiert - dazu sind Kontakte wichtig - aber die Ideen finde ich in Büchern, Magazinen, manchmal im TV oder einfach beim Betrachten von Bildern, bei denen ich mir dann Fragen stelle wo etwas ist, wie es den Menschen dort geht, oder wie das Foto zustande gekommen ist. Manchmal ergeben sich aber auch Themen aus einem Gespräch heraus, oder beim Morgenkaffee. Ich denke das Wichtigste ist, die Augen offen zu halten und interessiert zu sein. So fange ich meistens an zu recherchieren. Durch die vielen Reisen ergeben sich oft weitere Themen vor Ort.

Warum haben Sie die Strecke „L´incompiuto (Das Unvollendete)“ fotografiert?

Aus mehreren Reisen durch Sizilien sind mir die Gebäude schon seit langem aufgefallen. Durch Gespräche mit den Menschen vor Ort wurde klar, dass es hier um mehr geht, als schlecht geplante Bauprojekte. Durch meine Recherchen und Kontakte zu Journalisten in den Regionen kamen dann mehr Information zusammen. Da sich in Italien, speziell im Süden, viele Menschen von der Politik vergessen fühlen und immer wieder behauptet wird, für die Bevölkerung wäre kein Geld da, sind die kostspieligen und unfertigen Gebäude natürlich provokant. Daher ist auch diese Strecke durchaus ein sozialkritisches Projekt, obwohl es ohne Protagonisten entstanden ist.

Gab es Momente während des Fotografierens in Sizilien, die Ihnen besonders positiv/negativ im Gedächtnis geblieben sind?

Die meisten Bauprojekte habe ich im Voraus recherchiert und mir auf einer Karte markiert, die Wege zu den Orten waren teilweise sehr abenteuerlich. Teilweise gab es keine Straßen, was dem Mietauto einige Probleme bereitet hat. Auf dem Weg zu einem Bauprojekt hörte die Straße mitten im Schlamm auf, der Boden war so weich das das Auto stecken geblieben ist.

Davon wollte ich mich nicht aufhalten lassen und habe mein Stativ und die Kamera gepackt, um zu Fuß weiter zu gehen. Nach ein paar Metern waren meine Schuhe und Hosen komplett im Schlamm vergraben und das Laufen war ziemlich schwierig. Nach etwa einer Stunde hatte ich dann das Bild, dass ich haben wollte. Als ich zurück beim Auto war ist mir aufgefallen, dass es wohl keine gute Idee ist mit den dreckigen Sachen wieder ins Auto zu steigen. Das war aber das kleinste Problem, da ich erst jetzt merkte dass das Auto sich nicht mehr aus dem Schlamm bewegte. Am Ende musste ich die örtliche Feuerwehr anrufen, die dann selbst im Schlamm stecken geblieben ist. Erst mit Hilfe durch einen Bauern und seinem Traktor konnten wir das Auto aus dem Schlamm befreien.

Haben Sie in der Strecke einen Favoriten? Und würden Sie uns verraten, wie Sie das Bild handwerklich umgesetzt haben?

Mein Favorit ist gleichzeitig das erste Bild aus der Serie. Es zeigt ein Polostadion im Ort Giarre bei Catania. Ich hatte in einem Artikel davon gelesen und dann bei Google Maps den Ort und das Stadion gefunden. In dem Moment wusste ich, dass es ein spannendes Projekt werden kann. Nach der Ankunft in Catania bin ich mit einem Kollegen nach Giarre gefahren.

claudio verbano_incompiuto

Ich wollte auf jeden Fall diesen tristen, grauen Himmel haben und sehr gedämpfte Farben. Auf Sizilien ist das eher die Ausnahme, also war mir klar, dass wir eher im Winter anreisen müssen. Das Bild ist dann im November morgens ganz früh vor Sonnenaufgang entstanden, um genug Licht aber keine Sonne im Bild zu haben. Alles was ich dann brauchte war der richtige Standpunkt und ein Stativ. Nach diesem ersten Bild wusste ich, dass die Serie funktioniert.

Ist das Projekt abgeschlossen? Was haben Sie als Folgeprojekt geplant?

Das Projekt ist für mich erstmal abgeschlossen, aber es gäbe sicherlich weitere Möglichkeiten, nicht nur in Italien... Es unterscheidet sich aber dich sehr von meinem Stil, da ich eher nah an den Menschen dran sein möchte. Im Moment arbeite ich an einer Reportage über die Travelling Doctors, das sind einheimische Ärzte in Tansania, die mit einer mobilen Klinik durch Ostafrika fahren, um Menschen in entlegenen Regionen zu helfen. Durch meine Fotos und auch finanziell unterstütze ich das Team und versuche Sponsoren und Partner für das Projekt zu finden. Ich war bereits mehrfach in Tansania und möchte gerne weitere lokale Projekte unterstützen.

Die Ausstellung „L`incompiuto (Das Unvollendete)“ in der Epson Digigraphie Galerie in Zingst zu sehen.

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