Die Vermüllung der Weltmeere
03.06.2019

Die Vermüllung der Weltmeere

Die Zusammenarbeit mit National Geographic hat eine lange Tradition und besteht seit Beginn des Festivals. Aus der Thematik des Magazins ergeben sich sehr logische Schnittmengen bei der Ausrichtung eines Umweltfotofestivals. Bisher ging es dabei primär darum, großartige Naturphänomene der Erde zu zeigen. Nunmehr geraten aber auch die Gefährdungen in den Fokus.

„Global betrachtet ist Plastikvermüllung der Meere ein gigantisches Problem. Etwa acht Millionen Tonnen landen jedes Jahr im Meer. Einfach ausgedrückt, haben wir bald mehr Plastik als Fische in den Ozeanen", verdeutlicht Klaus Tiedge, Kurator des Umweltfotofestivals. Diese Thematik greift die globale Kampagne „Planet or Plastic" von National Geographic auf und hat diese katastrophale Situation sichtbar gemacht.

Grund genug den Chefredakteur der deutschen Ausgabe von National Geographic, Jens Schröder, zu Wort kommen zu lassen:

horizonte zingst: Welche Zielsetzung hatte die globale Kampagne „Planet or Plastic“?

Die Kampagne ist ein tatsächlich weltweiter Ansatz der Marke National Geographic, um mehr Aufmerksamkeit auf das Problem mit dem Plastikmüll zu lenken. Alle 35 internatioanalen Ausgaben und auch die NatGeo Fernseh-Kanäle machen mit. Es  ist unter diesem Motto sogar schon eine Berliner Strassenbahn, komplett mit Plastikmüll gefüllt, einen halben Tag durch die Stadt gefahren. Das hat ziemlich Wirbel gemacht. Jetzt die Schau am Strand von Zingst erzeugt ja ebenfalls starke Reaktionen. Und im Heft machen wir das Thema natürlich auch, mit großen Reportagen, aber auch mit Berichten und Porträts zu positiven Lösungsansätzen. Zum Beispiel haben wir über die Erinder von „Guppyfriend“ geschrieben, einem Beutel, in den man Synthethik-Kleidung vor dem Waschen stecken kann, damit die abbrechenden Plastik-Mikrofasern darin aufgefangen werden, die ansonsten direkt ins Abwasser gehen.

Die Berichterstattung des Magazins National Geographic steht unter dem Motto „Inspire people to care about the planet“. Welche Bedeutung/Aufgabe schreiben Sie in diesem Zusammenhang der Fotografie zu?

Die Fotografie hat da natürlich für uns überragende Bedeutung. Sehen Sie, wir können noch so häufig schreiben, dass jedes Jahr acht Millionen Tonnen Plastik in die Weltmeere gespült werden. Jedes Jahr. Und dass das so viel ist, als wenn auf jedem Meter Küstenlinie der Welt zehn Tüten voller  Plastikmüll gestapelt wären. Das sind alles nur Zahlen. Man vergisst die sofort wieder. Ich vergesse die auch sofort. Aber das Foto von dem Weißstorch, der eine Plastiktüte über dem Kopf hat, das lässt einen nicht mehr los. Weil man sich den Todeskampf des Tieres automatisch vorstellen muss. Es hat ja offensichtlich keine Arme und Hände, mit denen es die Tüte wieder loswerden kann. Das ist die Macht der Fotografie. Abstrakte Probleme fühlbar zu machen. Und die Information darüber nachhaltig wirken zu lassen in unserem Kopf.

Welche Bedeutung messen Sie der Bedrohung zu, die von der Plastikvermüllung der Meere ausgeht?

Das Problem ist ja: Wir sehen das Problem nicht. Die Plastikteile strudeln irgendwo im Nordpazifik. Oder sind klein gemahlen als Mikro oder Nanoplastik überall im Wasser und verursachen Gesundheitsschäden, von denen wir heute noch keine Ahnung haben. Nanoplastik können wir ja noch nicht mal vernünftig detektieren. Und diese Unsichtbarkeit ist es, die das Problem so gravierend macht (wie auch beim Klimawandel). Die Menschen reagieren nur sehr langsam bis gar nicht auf unsichtbare Probleme. Um so wichtiger, dass wir helfen, sie sichtbarer zu machen. Ich bin aber generell zuversichtlich. Im Moment gibt es eine Welle von Aufmerksamkeit für das Thema. Man wird schon fast schief angeschaut, wenn man im Supermarkt noch eine Plastiktüte nimmt. Nicht in allen Ländern, klar. Aber auch nicht nur hier in Deutschland. Ruanda hat Plastiktüten gerade verboten, Costa Rica auch. Wenn die das können, dann bin ich sicher: Wir kriegen das auch hin. Auch für die langsame Wiederentmüllung der Meere hoffe ich über kurz oder lang auf eine gute technische Lösung

Was kann man im Kleinen, bzw. was kann jeder einzelne zur Vermeidung von Plastikmüll tun?

Die Dinge liegen ja auf der Hand, und wir wissen das ja alles. Manchmal muss man es einfach mal probieren. Ich gehe manchmal Sushi holen, um es zu Hause zu essen. Kürzlich bin ich zum ersten Mal mit einer Schüssel dort vorstellig geworden und habe gebeten, das Sushi dort hinein zu legen, anstatt in eine Plastikschale. Ich hatte erwartet, dass es da Diskussionen gibt, wegen irgendwelcher Bestimmungen und Hygieneregeln. Aber nein: Das wird schon als völlig normal angesehen. Eine andere Kundin hinter mir an der Kasse sagte nur: Ach, super. Das mache ich ab jetzt auch. So vervielfältigen sich die kleinen Beiträge irgendwann.

Auch Klaus Tiedge erklärt, dass beim Thema Umweltschutz jeder gefordert ist: „Fast 50 Prozent allen Plastiks wird nur einmal benutzt und dann weggeworfen. Jede Plastiktüte ist eine zuviel, jeder Coffee-to-Go-Becher, der nicht  benutzt wird ist ein Gewinn, jeder Kunststoff-Trinkhalm, auf den verzichtet wird, hilft der Umwelt. Jeder kann mit den eigenen Verbraucherverhalten wesentlich dazu beitragen, die Plastik-Pest einzudämmen. Verzicht ist die beste Prävention."

Die Ausstellung „Vorsicht Plastik - die Vermüllung der Weltmeere" ist noch bis zum 30.06.2019 am Zingster Strand zu sehen.

Partner der Ausstellung: National Geographic | Epson | Filmolux

Alle Fotos: Anke Großklaß

Das Interview führte Nina Hesse

Unsere Premium-Partner