„Ekaterina Sevrouk – Last Paradise“
21.03.2019

„Ekaterina Sevrouk – Last Paradise“

Mit ihren idyllisch anmutenden Tierporträts mahnt die Fotografin gegen das Vergessen der Bedrohung und übt Kritik an der Zerstörung der Lebensräume und dem Aussterben bedrohter Tiere.

Es geht Ekaterina Sevrouk darum zu mahnen, wie die Menschen mit der Natur umgehen. Wer genau hinschaut, entdeckt eine Botschaft hinter ihren Bildern: Der Eindruck einer tadellosen, intakten Naturkulisse ist nur Fassade, die abgebildeten Tiere sind zum größten Teil bereits ausgestorben. Mit viel Liebe zum Detail inszeniert und arrangiert sie ihre Motive, deren visuelle Wirkung sie durch die Verwendung knalliger Farben noch verstärkt.

Im Interview verrät Ekaterina Sevrouk, wie sie auf die Idee zu „Last Paradise“ gekommen ist:

horizonte zingst: Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Ekaterina Sevrouk: Schon immer hat mich die bildende Kunst interessiert – etwa die Malerei, die ich seit meiner frühen Kindheit betreibe. Zur Fotografie bin ich durch meinen Vater, Sergei Sevrouk, gekommen, der seinerzeit Kriegsfotograf war. Ich möchte ihn durch die Verwendung dieses Mediums ehren.

Wie sind Sie auf die Idee zu „Last Paradise“ gekommen und warum?

Ich wollte auf ästhetisch anspruchsvolle Art und Weise auf die Zerstörung der Natur und auf das daraus resultierende Artensterben aufmerksam machen. Die von Blumen umhüllten taxidermischen Exponate sind Metaphern für unseren Versuch, diese Umweltschändung zu ignorieren, damit wir in unserem wunderschönen europäischen Paradies unbehelligt weiterleben können. Wir wissen von der desaströsen Situation unserer Natur, doch zur Beruhigung basteln wir eine Idylle um uns herum. Die Tiere, die ich zeige sind alle vom Aussterben bedroht oder es gibt sie nicht mehr. Auch die Pflanzen sind unecht oder tot – doch für den Betrachter entsteht der Eindruck einer paradiesischen Welt.

Und wie sind Sie fotografisch vorgegangen?

Ich arbeitete mit den Naturhistorischen Museen in Dublin und Wien sowie mit dem Haus der Natur in Salzburg zusammen, wobei ich die meiste Arbeitszeit in Salzburg verbracht habe. Ich durfte mich in den Archiven und Lagern des Museums bewegen und mir dort meine „Modelle” aussuchen.Ich habe mit der Leica S und einem 70-mm-Objektiv gearbeitet. Meine Studios habe ich dann vor Ort, in den Hallen, aufgebaut. Die Exponate habe ich vor Hintergründe aus farbigem Stoff gesetzt und dann per Porträtbeleuchtung und Langzeitbelichtung fotografiert.

Warum haben Sie mit einer Leica S fotografiert?

Die Leica S ist eine der besten Kameras überhaupt – sie ist eine Art Rolls Royce unter den Kameras. Man kann sich immer sicher sein, dass alle Bilder perfekt werden. Wenn man mit perfekten Daten arbeitet, muss man sich nicht vor Kameraproblemen und Missgeschicken fürchten und kann sich auf den kreativen Prozess konzentrieren.

Was ist Ihr fotografisches Ziel - sowohl inhaltlich als auch formalästhetisch?

Ich möchte mit meinen Bildern weder die Welt erklären noch Antworten präsentieren, sondern Fragen stellen und den Betrachter für gewisse Dinge sensibilisieren. Dafür brauche ich Metaphern und eine prägende, westeuropäische Ästhetik, wie ich sie in der Mise-en-Scène-Fotografie am ehesten umsetzen kann. Gewiss ist auch ein humoristisches Element vorhanden – die Prämisse und ihre Verwirklichung erinnern ein Wenig an russischen Humor. Der Ernst der Sache jedoch ist nicht zu übersehen.

Ein Blick in die Zukunft - was planen Sie als Nächstes?

Meine erste Porträtserie zeigte ausschließlich männliche Flüchtlinge. Mein nächstes Projekt, „andere Städte, andere Räume“, befasst sich mit dem Leben von Migrantinnen der ersten und zweiten Generation in Deutschland.Auch plane ich zurzeit ein Fotoprojekt, das die innerdeutsche Grenze zum Thema hat. Ich werde im Henneberger Land zwischen Coburg, Hildburghausen und Meiningen nach Spuren der vor dreißig Jahren gefallenen Mauer suchen.

Was bedeutet Ihnen die Teilnahme am zwölften Umweltfotofestival »horizonte zingst«?

Dieses Fotofestival ermöglicht mir nicht nur, meine Werke einem großen Publikum zu zeigen, sondern hilft mir auch, Kontakte zu anderen Künstlerinnen und Künstlern zu knüpfen. Darüber hinaus kann ich in einem äußerst angenehmen Umfeld Arbeit mit Erholung verbinden. Die Ostsee faszinierte mich schon immer, so habe ich in den letzten Jahren sehr schöne Urlaubserlebnisse in Dänemark, auf Rügen und im polnischen Kolberg gehabt, in denen ich unberührte Küstennatur kennenlernen konnte. Diese hat maßgeblich als Inspiration zu einigen meiner Projekte beigetragen. Daher ist die Reise nach Mecklenburg-Vorpommern für mich eine Art Rückkehr an den Entstehungsort meiner Ideen.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit den Partnern Epson, ChromaLuxe und Leica. Zu sehen ist sie vom 25.05. bis zum 15. September 2019 in der Leica Galerie Zingst, die Fotografin wird zur Eröffnung der Ausstellung am 30.05.2019 um 16 Uhr anwesend sein.

 

 

Das Interview führte Nina Hesse.

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