Kilian Schönberger im Interview
13.02.2020

Kilian Schönberger im Interview

Auf märchenhafte, fast mystische Weise fotografiert Kilian Schönberger die heimischen Wälder von der Küste bis ins Hochgebirge.

Sein Blick für die besonderen Licht- und Nebelsituationen verwandelt ebenjene Landschaften in Motive von einzigartiger Schönheit. Ein wildromantischer Bildzauber, für den Kilian Schönberger bis zu 160 Tage im Jahr unterwegs ist.

Wie er sich auf seine Reisen vorbereitet und was dabei auf keinen Fall im Fotorucksack fehlen darf, davon erzählt er im Interview:

 

horizonte zingst: Wie viele Tage im Jahr sind Sie als Landschaftsfotograf unterwegs, um zu fotografieren?

Kilian Schönberger: Ich würde sagen, dass ich so ca. 130-160 Tage unterwegs bin. 

Gibt es Anekdoten, die Sie von Ihren Reisen erzählen können?

In den vergangenen zehn Jahren konnte ich viele emotionale Erfahrungen machen. Von wunderschönen Momenten bis hin zu riskanten Erlebnissen. Naturfotografen sind auch immer Grenzgänger: Am Rande der Zivilisation, am Rande von Tag und Nacht und manchmal auch am Rande von Leben und Tod. Rückblickend hat all dies dazu beigetragen, dass ich heute sehr reflektiert über meine Arbeit und die Fotografie allgemein denke. Am schönsten sind die Erlebnisse bei extremen Wetterbedingungen, wie bei einem Schneesturm und fast -40°C zum Beispiel. Oder bei über 300 Kilometer Fernsicht

Welche (fotografische) Ausrüstung haben Sie immer dabei?

Ein Stativ ist eigentlich immer dabei, da ich es für meine Bildkompositionen im Wald brauche. Die Kamera – eine Nikon D850 – natürlich ebenfalls. Meistens sind dann noch ein Weitwinkel-, ein Normalbereich und eine Telezoom im Rucksack und je nach Location und Wetter die ein oder andere spezielle Linse.

Wie finden Sie Ihre Motive?

Ich denke die Location-Recherche ist eine meiner größten Stärken. Ich bin eine Art “Location-Schwamm” und sauge alle Informationen auf. Digital, analog, einfach alles was mir interessant erscheint. Potenzielle Motive suche ich zunächst in Büchern, diese stapeln sich inzwischen bis zur vier Meter hohen Decke. Es sind so viele, dass ich sie nie alle werde besuchen können. Die große Kunst ist dann an einer ausgewählten Location – bei den passenden Wetterbedingungen – das richtige Foto zu machen. Gerade wenn sie nicht vor der Haustür liegt.

Was ist die Besonderheit Ihrer fotografischen Handschrift?

Mein liebstes Stilmittel ist der Nebel. Durch hervorragende Wetterkenntnisse kann ich inzwischen meine Aufnahmen ganz gut planen. Der Nebel ist für mich essentiell bei der Bildkomposition. Er hilft mir bestimmte Elemente zu betonen oder störende Spuren der Zivilisation verschwinden zu lassen. Ansonsten ist für mich die Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts eine große Inspirationsquelle und ich nehme bei meinen Bildern immer wieder Bezug zu Arbeiten von Caspar David Friedrich oder Iwan Iwanowitsch Schischkin.

Was möchten Sie den Betrachtern vermitteln?

Meine ursprüngliche Intention war es, dem Betrachter die Augen für die Schönheit der nur scheinbar alltäglichen Natur vor unserer Haustür zu öffnen. Inzwischen sehe ich meine Bilder aber auch als Anknüpfungspunkte für Themen wie Naturschutz oder die Folgen klimatischer Veränderungen. Denn ein Foto ist niemals einfach nur „schön”, es gibt immer weitere Geschichten und Informationen die ebenfalls festgehalten wurden. So erregen die Bilder zunächst visuelle Aufmerksamkeit und durch mein Wissen als Geograph kann ich dem Betrachter dann auch komplexere Zusammenhänge darlegen, sodass die heimischen Wälder mit anderen Augen gesehen werden.

In welchen Regionen dieser Erde möchten Sie noch fotografieren?

Natürlich gibt es Traumziele für Fotografen. Gerade in Zeiten globaler Informationsnetzwerke und Reiseverbindungen sind selbst entlegenste Ecken wie die Antarktis zum Greifen nah. Aber auch wir Fotografen sollten unseren ökologischen Fußabdruck hinterfragen. Zumal vielleicht Fotografie in Zeiten, in denen selbst entfernteste Ziele „naheliegend” sind, sich wieder ganz anderen Aufgaben widmen muss.

Sie haben ja inzwischen mehrere Bücher herausgegeben, was bedeutet es für Sie als Fotograf ein eigenes Fotobuch in den Händen zu halten?

Ich liebe Bücher. Daher ist es nur logisch, dass ich selbst Bücher mache. Gerade für Landschaftsfotografie ist das Buch ein wunderschönes Medium. Die Haptik, dass Seite für Seite eintauchen. Und gleichzeitig strahlen Bücher für mich etwas Dauerhaftes aus. Vielleicht holt irgendwann in 100 Jahren jemand einen Bildband von mir aus einem staubigen Regal und erfreut sich (hoffentlich) an den Fotografien.

Was verbinden Sie mit dem Umweltfotofestival »horizonte zingst«?

Eine motivierende und die Kreativität fördernde Veranstaltung, die Naturfotografie im Kontext aktueller Themen präsentiert und lebt.

Kilian Schönbergers Ausstellung „Waldwelten – das geheimnisvolle Reich der Bäume“ ist vom 16.05. – 01.12.2020 im Kunsthallenhotel Vier Jahreszeiten zu sehen. Zur Vernissage am Samstag, den 16.05.2020 um 17:00 Uhr, ist der Fotograf anwesend und während des Festivals außerdem in einer Multivisionsshow und einem Fotoworkshop zu erleben.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Magazin GEO.

Partner der Ausstellung sind Epson und Adobe.

 

Alle Bilder © Kilian Schönberger

Das Interview führte Nina Hesse per email.

Webseite des Fotografen: www.kilianschoenberger.de

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