Klimawandel findet nicht nur in den Polarregionen statt
02.03.2020

Klimawandel findet nicht nur in den Polarregionen statt

Die Fotografin Nomi Baumgartl macht zusammen mit Helmut Achatz, dem bergerfahrenen Produktionsleiter des Projekts, den Klimawandel in den Alpen sichtbar.

Ihr gemeinsames Projekt „Eagle Wings-Protecting the Alps“ zeigt die globalen Zusammenhänge und die Folgen des Klimawandels in Europa.

Im Interview spricht Nomi Baumgartl über die Entstehung, Herausforderungen und Ziele des Projekts:

horizonte zingst: Wie entstand die Idee zu dem Projekt „Eagle Wings-Protecting the Alps“?

Nomi Baumgartl: Das große Pionierstück für „Eagle Wings“ sind zwei vorhergehende Projekte: Zum einen die „Arktis Message“ an der ich von 2009-2010 im Polarkreis gearbeitet habe, um auf die globalen Zusammenhänge des Klimawandels aufmerksam zu machen. Zum anderen das „Stella Polaris“-Projekt, das ich von 2011-2013 initiiert habe, ein international aufgebautes Fotokunst und Filmprojekt über das verschwindende Eis Grönlands. Der Klimawandel hat mich also über Jahre, im Raum des Polarkreises bewegt, bis ich seine Auswirkungen 2016 auch vor der eigenen Haustür vorgefunden habe. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten, dass für die meisten Menschen der Polarkreis weit weg ist, frei nach dem Motto: es betrifft ja nicht uns.

Aber meine gewonnene Erkenntnis – dass alles miteinander zusammenhängt – hat mir die Augen geöffnet für das wilde Herz in Europa, die zentralen Alpen. Die Alpen sind das Fieberthermometer für die Erde. Folgerichtig habe ich das Projekt „EagleWings-Protecting the Alps“ initiiert und auf drei Ebenen ausgebaut, um das Bewusstsein zu schärfen, wie wir unseren persönlichen Fußabdruck reflektieren können. Als Credo für „Eagle Wings“ haben wir eine alte Weisheit der Irokesen gewählt:„Wir müssen den Blick des Adlers einnehmen, um für die nächsten Generationen die richtigen Entscheidungen zu treffen.“

Worin liegt seine Einzigartigkeit?

Die Einzigartigkeit liegt in dem Zusammenspiel von drei ganz unterschiedlichen Ebenen:

1. Ebene: Ich vertrete als Fotokünstlerin das begrenzte Menschenauge und ich verstehe mich als das Bodenpersonal für den Adler.

2. Ebene: Der Adler steht für die Natur, ausgestattet mit einer Kamera liefert er Bilder aus seiner Perspektive.

3. Ebene: Die deutsche Luft-und Raumfahrt / ESA liefern die Bilder aus dem Weltall und den wissenschaftlichen Background.

Die Vision und Mission des Projekts ist es, Menschen zu berühren und zu erreichen, das geht aus meiner Sicht in der Kombination von Emotionen und Informationen. Hierzu gibt es ein Zitat von Prof. Dr.  Michael Rast, dem Senior Adviser der ESA : „Wir haben die Informationen und Eagle Wings hat die Emotionen.“

Warum haben Sie sich dazu entschieden die zunehmend sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels anhand des alpinen Ökosystems zu zeigen?

Es ist die einzige Möglichkeit, den Menschen vor Augen zu führen, dass wir uns – angesichts der rasanten Veränderungen des alpinen Ökosystems – anpassen müssen. Wir können die Veränderungen nicht aufhalten, aber wir können uns verändern in unserer Haltung und unserem Handeln – dazu müssen wir verstehen, dass wir alle ein Teil des Ganzen und untrennbar miteinander verbunden sind.

Wie lange hat die Durchführung des Projekts gedauert?

Die Entwicklungsarbeit in enger Zusammenarbeit mit Helmut Achatz hat vier Jahre gedauert.

Welchen Herausforderungen sind Sie dabei begegnet auch in Bezug auf Ihre fotografische Arbeitsweise? 

Was die fotografische Arbeitsweise betrifft, sind die Herausforderungen – bedingt durch physische Grenzbereiche im alpinen Gelände in Verbindung mit dem künstlerischen Anspruch – sehr hoch. Bis jetzt hatte ich das Glück sie mit viel Unterstützung meistern zu dürfen. Die Gletscher zu begleiten, ja sie sogar zu verabschieden, ist auch eine dokumentarische Arbeit über einen langen Zeitraum. Dabei immer wieder mit dem Licht zu arbeiten, die Details und das große Ganze so zu belichten, dass es die Menschen berührt, ist wohl die größte fotografische Herausforderung.

Ein Beispiel ist der Rhone-Gletscher, den ich 2016  im Zeitraum von einer Woche aus allen mir zugänglichen Perspektiven fotografiert habe. Genau nach drei Jahren bin ich zurückgekommen und was ich als Bild vorfand, sah aus, als wäre ich mindestens nach zehn Jahren zurückgekommen. So geht es mir auch mit anderen Gletschern. Ich  kann nur hoffen, dass mir die eigene Zeit reicht, um als Augenzeugin das Projekt weiter zu begleiten und mit kraftvollen Bildern die Botschaft weiter zu tragen.

Welche Unterstützer/Partner hat das Projekt?

Seit 2019 haben wir als Partner den Schweizer Uhrenhersteller Chopard an Bord.Im Januar 2020  wurde die EagleWings Foundation gegründet und die Ziele für 2020 ausgearbeitet.

Worin liegt die Besonderheit ihrer Multivisionsshow?

Ich hoffe, dass mein Kollege  Victor, der Seeadler, mit seinen Aufnahmen die Horizonte der Menschen erweitert, begeistert und  beflügelt. So geschehen bei dem großen Start des Projektes im Oktober 2019, als er von den fünf Gipfeln in fünf Alpenländern flog und ein internationales Publikum begeisterte. Wir möchten die Menschen mitnehmen auf eine Reise, hin zu den wichtigsten Themen unserer Zeit und seiner globalen Zusammenhänge.

Was verbinden Sie mit dem Umweltfotofestival »horizonte zingst«? Worauf freuen Sie sich bei der Veranstaltung am meisten?

Ich freue mich riesig wieder dabei sein zu dürfen, denn das Umweltfotofestival in Zingst hat wirklich neue Horizonte geschaffen und einen internationalen Stellenwert erreicht. Und eine weitere Freude ist, dass ich Freunde und Weggefährten wiedersehe, allen voran Kurator Klaus Tiedge – mit seiner Stimme und seinem Herzschlag für die Fotografie.

 

Am 15.05.2020 um 20:00 Uhr begrüßen Nomi Baumgartl und Helmut Achatz alle Zuschauer ihrer Multivisionsshow „Klimawandel mit Adleraugen“ in der Multimediahalle in Zingst.

Die Ausstellung „Eagle Wings-Protecting the Alps“  ist zu sehen vom 16.05.2020 bis 01.04.2021 und wird am Montag, 18.05.2020 um 11:00 Uhr in Anwesenheit der Fotografin eröffnet.

Partner der Ausstellung: Epson und Filmolux

 

Alle Bilder © Nomi Baumgartl

Das Interview führte Nina Hesse per E-Mail.

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