Mit Optimismus und Humor lassen sich viele Probleme bewältigen
09.03.2020

Mit Optimismus und Humor lassen sich viele Probleme bewältigen

Der querschnittsgelähmte Fotojournalist Andreas Pröve erzählt in seiner Multivisionsshow die Geschichte eines großen Abenteuers.

Trotz aller Widrigkeiten und Umstände legte der Fotograf auf seiner Reise durch China 6.000 Kilometer im Rollstuhl zurück. Andreas Pröve reiste entlang des längsten Flusses Asiens und stand am Ende an der Quelle des Jangtzekiang in Tibet.

Wie Andreas Pröve seine Reisen plant, durchführt und was ihn dabei immer wieder antreibt, erzählt er im Interview:

horizonte zingst: Wie sind Sie zur Fotografie gekommen? Was ist die Besonderheit ihrer fotografischen Ausdrucksweise?

Andreas Pröve: Vor knapp 40 Jahren hielt ich das erste Mal eine Spiegelreflexkamera in der Hand. Damals plante ich eine Reise durch Indien und Sri Lanka. Mein Bruder meinte, ich solle die Eindrücke auf dieser Reise unbedingt festhalten. Letzten Endes ließ ich mich breitschlagen.  So habe ich, anfangs eher widerwillig, meine Liebe zur Fotografie gefunden.Inzwischen liegt die Besonderheit meiner fotografischen Ausdrucksweise in der Perspektive aus der heraus ich fotografiere. Durch meine Kopfhöhe von 1,40 m schauen die porträtierten Menschen generell auf mich herab. Das hat einen ganz besonderen Reiz.

Was treibt Sie an in die entlegensten Winkel der Erde zu reisen und die Grenzen des Machbaren immer wieder aufs Neue auszutesten? Welchen Herausforderungen begegnen Sie dabei?

Der Drang, Neues zu entdecken, Wissensdurst und durchaus Abenteuerlust, sind die Motivation dafür, die Komfortzone zu verlassen und ein Land, wie auch sein Volk hautnah zu erleben. Die Schwierigkeiten des Reisens im Rollstuhl können immens sein. Zum Beispiel einen 15 Stunden Flug ohne Toilette überstehen zu müssen, da der Rollstuhl in den allermeisten Fällen aufgegeben werden muss. Es ist klar, dass es unendlich viele Barrieren gibt, die nicht zu überwinden sind und dass ich immer bereit sein muss auch zu verzichten. Trotzdem kann es auch von Vorteil sein auf die Hilfsbereitschaft der Menschen bauen zu müssen. Denn der Kontakt zur Bevölkerung ist mir dadurch gesichert. Und es geht mir ja darum ein Volk kennen zu lernen. So kann mein Rollstuhl durchaus ein Brückenbauer zu den Menschen sein.

Welches Projekt, bzw. welche Reise haben Sie als nächstes geplant?

Ich plane sehr kurzfristig, da sich auf der Welt ständig neue Krisengebiete entwickeln können – seien es Brände wie in Australien, Erdbeben oder das Coronavirus – oder Regionen befriedet werden und plötzlich problemlos zu erreichen sind. Daher kann ich die Frage, was als Nächstes ansteht, nicht beantworten.

Beschreiben Sie einmal wie es sich anfühlt als erster Rollstuhlfahrer an der Quelle des Jangtzekiang in Tibet zu stehen.

Vielleicht kann man das Gefühl mit einem Bergsteiger vergleichen, der unter großen Strapazen am Ende auf dem Gipfel steht. Man wird von einer großen inneren Zufriedenheit durchflutet, ein Glücksgefühl, das sich nur sehr schwer beschreiben lässt. Stolz ist auch dabei. Bereits nach Erreichen der Quelle des Ganges und der des Mekong empfand ich dieselben heftigen Emotionen wie am Ursprung des Jangtse – von denen ich noch heute zehre.

Wie viel von diesem Hochgefühl steckt in ihren Bildern und Vorträgen?

Es ist sehr schwer dieses innere Hochgefühl mit der Kamera einzufangen. Vermutlich gelingt es nie wirklich – aber mithilfe meiner Rhetorik auf der Bühne versuche ich –  dem Ideal möglichst nah zu kommen.

Was möchten Sie den Zuschauern Ihrer Multivisionsshow vermitteln?

Meine Message ist im Grunde die, dass, egal in welcher Lebenssituation man steckt, das Positive hervorgehoben werden sollte. Allein mit Optimismus und Humor lassen sich viele Probleme bewältigen. Und die Tatsache, dass Erfolg und Scheitern eine Seite derselben Medaille sind. Diese Reise stand unter dem Motto: „Du hast fast keine Chance, also nutze sie“. Daraufhin bin ich in Shanghai mit dem Wissen gestartet, dass das Quellgebiet des Jangtse eine militärische Sperrzone ist und keine Genehmigungen ausgestellt werden. Wer wissen will, wie es mir dann doch gelungen ist, muss zum Vortrag in Zingst kommen…

Welche Highlights können Sie vorab schon verraten?

Es wird auf jeden Fall abenteuerlich und es wird humorvoll. Aber angesichts der krassen Methoden der chinesischen Regierung, das Volk zu überwachen, auch sehr beängstigend. Ich lasse mein Publikum schwelgen in faszinierenden Landschaften, es lernt Menschen kennen, die mir ihr Land erklärt haben und es wird mit allerlei Skurrilitäten konfrontiert.

Was verbinden Sie mit Zingst und dem Umweltfotofestival »horizonte zingst«?

»horizonte zingst« ist für mich ein Synonym für eine Community, die einfach Freude am guten Bild hat.

 

Andreas Pröve hält seine Multivisionsshow "China - von Shanghai nach Tibet" am Donnerstag, den 21.05.2020 um 17:00 Uhr, in der Multimediahalle in Zingst.

Alle Bilder ©  Andreas Pröve

Das Interview führte Nina Hesse per E-Mail.

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