Moritz Küstner im Interview
12.06.2019

Moritz Küstner im Interview

Mit seinem Projekt „Das sterbende Tote Meer“ zeigt Moritz Küstner die umfangreiche Darstellung eines umweltkatastrophalen Zustandes. Der Jordan schafft es nicht mehr das Tote Meer zu speisen, schon lange warnen Forscher vor der Austrocknung des tiefst gelegenen Sees der Erde.

Der Salzsee, der an das Westjordanland, Israel und Jordanien grenzt, trocknet aus. Jedes Jahr sinkt der Wasserspiegel des Sees um einen Meter; um das Jahr 2050 könnte er vollkommen ausgetrocknet sein.

 

Aus einer persönlichen Motivation heraus, einmal mit der Familie nach Israel zu reisen, entstand schnell die Idee einer fotografischen Strecke, die das Sterben des Toten Meeres dokumentiert.  Erweitert um die politische Dimension des Nahostkonflikts, die Unfähigkeit der drei Staaten Israel, Westjordanland und Jordanien zusammenzuarbeiten, um der Wasserknappheit des einzigen Zuflusses, dem Jordan zu begegnen, zeichnet die Strecke ein vielschichtiges Bild der prekären Situation.  Klaus Tiedge, Kurator der Fotografie Zingst, schloss die Vernissage der Ausstellung mit den Worten: „Wer den Klimawandel leugnet, der soll doch bitte in die Epson Galerie kommen. Wir können hier ziemlich deutlich machen, vor welch katastrophaler Situation wir stehen.“

Im Interview erzählt Moritz Küstner wie er auf die Idee zu seinem Projekt gekommen ist und wie er es fotografisch umgesetzt hat.

horizonte zingst: Herr Küstner, wie sind Sie auf die Idee zu „Das sterbende Tote Meer“ gekommen und warum?

Moritz Küstner: Als ich 2015 mit meiner Familie eine Reise nach Israel plante, begann ich mich zum ersten Mal intensiver mit dem Land zu beschäftigen. Das Tote Meer als tiefsten Punkt der Erde finde ich an sich schon sehr faszinierend. Als ich von seinem rapiden Schwinden erfuhr und erkannte was für ein großes umweltpolitisches Problem damit zusammenhängt, war für mich klar, dass ich die Reise mit einer Fotoarbeit verbinden musste.
Das Interessante an der Geschichte ist für mich, dass das Thema so viele auch politische Themen verbindet und aufzeigt, während sie zugleich ganz konkret und greifbar ein ökologisches Problem präsentiert. Am Wasserrückgang des Toten Meeres zeigt sich beispielsweise der Nahostkonflikt in ganz anderen Bildern, als denen, die die Medien normalerweise präsentieren. Wasser ist in der Wüstenregion rund um das Tote Meer rar, es war schon immer eine Ressource um die die angrenzenden Länder Israel, Jordanien und Palestina gekämpft haben. Dieser Kampf innerhalb der Region wird sichtbar im fallenden Wasserspiegel des Toten Meeres, an das alle Länder angrenzen.

Was hat Sie bei ihrer Arbeit an dem Projekt fasziniert, was hat Sie erschreckt und was hat Ihr Herz gewonnen?

Körperlich spürbar waren als erstes die Umweltbedingungen rund um das Tote Meer, die mich faszinierten und erschreckten zugleich. Dieser Punkt der Erde ist tatsächlich eine unfreundliche Umgebung für Menschen und Tiere die dort leben oder ihre Zeit verbringen. Durch den hohen Salzgehalt in der Luft verspürte ich ständig Durst und das Wasser des Sees schmeckt nicht einfach salzig, sondern vielmehr giftig. Einige Kilometer vom Ufer entfernt, zum Beispiel in En Gedi, tauchen dann urplötzlich paradiesische Landschaften auf, mit Wasserfällen und dichtem Pflanzenwachstum.

 

Wie viel Zeit haben Sie am Toten Meer verbracht?

Ich habe mein Projekt in zwei Reisen in die Region fotogarfiert. Die erste Reise führte mich einmal quer durch Israel den Jordan entlang über das Tote Meer bis zum Roten Meer und auf der zweiten Reise bin ich durch Palästina und Jordanien gefahren. Insgesamt war ich fünf Wochen vor Ort.

Und wie sind Sie fotografisch vorgegangen?

Ich bin viel in der Region herumgefahren und gelaufen, habe mir die Natur und Umgebung angesehen und versucht meine Eindrücke mit der Kamera festzuhalten. Um möglichst tief in das Thema einzusteigen habe ich schon im Vorfeld Kontakt zu Ngos vor Ort gesucht. Zum ersten Mal habe ich außerdem mit einer Drohne gearbeitet, um Luftaufnahmen vom Toten Meer, von den Sinklöchern rundherum, von dem Kanal der zu Verdunstungsbecken führt und der gesamten Umgebung zu machen. In den Farbkontrasten der Luftaufnahmen zeigt sich für mich das Wechselspiel zwischen Schönheit und Tristesse, zwischen Faszination und Beklemmung am besten, was mich auf meiner Reise begleitet hat. Und sie geben einen guten Überblick über das Ausmaß des Problems.

Welche Begegnung hat Sie am meisten berührt?

In En Gedi, einem Kibbuz habe ich einen Geologen und eine Umweltschützerin kennengelernt, die seit Jahren in der Region leben und sich für sie einsetzen. Es leben nicht viele Menschen in der Region, die meisten kommen nur als Touristen und verschwinden kurz darauf wieder, doch diejenigen die ich getroffen habe, sind direkt vom Rückgang des Wassers betroffen, sie bekommen tagtäglich mit, wie Dattelplantagen oder Parkplätze einstürzen, wie Campingplätze schließen müssen und damit sämtliche Einnahmequellen zurückgehen. Ihr unermüdliches Engagement für die Natur, ihr Ideenreichtum und auch ihr Ehrgeiz haben mich sehr bewegt.

Gibt es ein Ziel, das Sie mit Ihrem Projekt zu erreichen hoffen?

Ich möchte mit meiner Arbeit vor allem auf die Seiten des Toten Meeres aufmerksam machen, die dieses Ökosystem neben dem Tourismus mit sich bringt. Auf den politischen Konflikt der dahinter steckt. Auch darauf, dass Wasser in vielen Regionen ein zunehmend knappes Gut ist.

Haben Sie Pläne für ein neues Projekt?

Zurzeit arbeite ich daran ein Projekt abzuschließen, welches mich schon länger begleitet als das Tote Meer. Ich beschäftige mich bereits seit der Annexion der Krim mit dem Thema, wie sich die Krim unter der Russischen Herrschaft verändert, ein besonderes Augenmerk lege ich dabei auf die Krimtatarische Community.

 

Die Ausstellung ist bis zum 15.09.2019 in der Epson Digigraphie Galerie zu sehen.

Partner der Ausstellung ist Epson.

Das Interview führte Nina Hesse.

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