Naturfotografie aus Japan
10.05.2019

Naturfotografie aus Japan

Der japanische Fotograf Takehiko Sato lädt die Betrachter zu einer Entdeckungsreise voller visueller Überraschungen in verborgene Bereiche ein. Die Fotografien sind zwar der Naturfotografie zuzuordnen, aber innerhalb dieses Spektrums von Motiven bewegt sich Satovöllig frei von konventionellen Vorstellungen der Makrofotografie.

Sein Schwerpunktthema ist „Mikkai Seimei – das dichte und geheimnisvolle Leben“, in dem er die Vielfalt der Natur einfängt – von kleinstem Leben wie dem von Amöben oder Pilzen und Insekten bis hin zu großen Säugetieren und Pflanzen. Im Jahr 2018 gewann er den Japan Photography Association Newcomer Award mit der Begründung: „Eine überwältigende Bildqualität – hochwertige und schöne Arbeiten werfen ein neues Licht auf das bestehende Konzept der Tierfotografie". Die Takehiko Sato-Fotoausstellung "Mikkai Seimei" fand in der Olympus Gallery Tokyo im Herbst 2018 statt.

Interview Takehiko Sato in Zingst

Von kleinen Lebewesen wie Schmetterlingen, Schlangen und Fröschen oder Pilzen, bis hin zu großen Säugetieren, Vögeln und Pflanzen – wir haben mit Takehiko Sato über seine Fotografie gesprochen.

horizonte zingst: Verraten Sie uns doch bitte einige Details über das „geheime Leben" und über die Welt, in die Sie den Betrachter mitnehmen möchten.

Takehiko Sato: Viele der Lebewesen, die ich fotografiere, sind so klein, dass sie für gewöhnlich übersehen werden. Wenn ich im Wald unterwegs bin und auf solche Kreaturen treffe, herrscht immer eine besondere Atmosphäre, fast wie ein geheimes und geheimnisvolles Treffen. Aber gleichzeitig pulsiert das Leben in solchen Momenten um mich herum, es ist dicht und intensiv. So ist der Titel entstanden.  

Ihre Fotografien sind so vielfältig, dass sie zwar alle dem Genre der Naturfotografie zugeordnet werden können, aber innerhalb dieses Genres bewegen Sie sich völlig frei von solchen Themen –  wann drücken Sie auf den Auslöser? 

Im Grunde mag ich alle Lebewesen – jedes von ihnen ist einzigartig. Besonders wenn ich auf etwas Unberechenbares, weitgehend Unbekanntes treffe, zieht mich das beinahe magisch an.Zum Beispiel gibt es eine bestimmte Art von Bakterien, die zur Familie der Amöben zählt, die weder Pflanzen noch Tiere noch Pilze sind. Die finde ich hochspannend, weil ich bei ihnen so etwas wie den Ursprung des Lebens spüre. Aus derlei primitiven Lebensformen ist irgendwann der Mensch entstanden und ich fühle in mir noch immer die Spuren dieser rudimentären DNA. Ich empfinde also etwas ähnliches wie Nostalgie darüber, dass ich mich in solchen Lebewesen sehen kann. Und darüber hinaus haben solche kleinen Dinge Möglichkeiten und Fähigkeiten, die ich nicht habe.

Wenn Sie ein Motiv gefunden haben, wie nähern Sie sich ihm fotografisch?

Wenn ich ein Bild finde, bin ich einfach erstmal glücklich. Um mir im nächsten Moment schon Sorgen darüber zu machen, wie  ein gutes Foto daraus entstehen soll: Wie gehe ich mit der Form um, was will ich eigentlich zeigen, welche Rolle spielt das Licht, gibt es noch etwas Unsichtbares, etwas Mythisches, das auch auf dem Bild gezeigt werden soll? Und dann ist die Größe des Objektes natürlich auch noch von Bedeutung – das alles zusammen entscheidet dann auch über den Einsatz der Technik und das Bild.

Wie viel Zeit verwenden Sie auf ein Foto?

Ich nehme mir die Zeit, genau hinzuschauen. Denn auf den ersten Blick sieht man selten, was ein Lebewesen wirklich ausmacht und das ist es schließlich, was ich versuche zu fotografieren. Es gibt aber natürlich auch Situationen, die aus dem Moment heraus entstehen, dafür muss man auch immer vorbereitet sein.

Die Vielfalt und das Wunder des Lebens

Das Bild mit den Schmetterlingen ist mysteriös – was zeigt es?

Wenn man an Schmetterlinge denkt, denkt man immer an Schönheit und Leichtigkeit. Aber Schmetterlinge fressen und umfliegen viele Dinge und nicht nur die Schönen. Klar findet man sie auf Blumenwiesen, aber ebenso umschwirren sie Tierkot oder Leichen – so auch auf diesem Bild. Das ist es, was ich versuche aufzuspüren, diesen vermeintlichen Widerspruch zwischen Schönheit und Vergänglichkeit. Das ist für mich die Tiefe der Natur, das Geheimnis des Lebens.

Wie finden die beiden Themen Leben und Tod gleichzeitig einen Platz in Ihren Bildern?

Menschen, die die Natur fotografieren, denken oft, dass sie sich zum „Glanz des Lebens“ hingezogen fühlen. Aber wenn es das Leben gibt, dann gibt es auch den Tod. Dieser Teil des Lebens ist absolut natürlich und kann jedes Lebewesen sofort und ohne Vorwarnung treffen.Schwierig ist es allerdings, diese beiden Seiten in ein Bild zu bringen. Ich konzentriere mich also gerne auf Lebewesen, die beides in sich tragen, da wäre zum Beispiel der „Tilachlidiopsis nigra“ – ein Pilz, der nur auf einem bestimmten (toten) Käfer wächst. Pilze, die aus Insekten wachsen, werden als „Pflanzenwurm" bezeichnet, einige von ihnen sind aus der traditionellen chinesische Medizin bekannt. Es gibt viele Arten,  wie etwa „Haeyadoritake", der aus Fliegen wächst, und „Yanmatake", der aus einer Libelle wächst. In meinen Bildern möchte ich tote und lebendige Dinge gleichzeitig zeigen, Bilder, in denen der Tod zu neuem Leben führt.

Für wen fotografieren Sie?

Es wäre großartig, wenn meine Bilder nicht nur die Menschen ansprechen würden, die die Natur mögen, sondern auch die, die ganz normal in den Städten leben und sich nicht intensiv mit der Natur auseinander setzen. Ich würde mir wünschen dass der Betrachter meiner Bilder die Vielfalt und das Wunder des Lebens spüren kann – er ist schließlich ein Teil davon. Aber ich denke, dass die meisten Menschen in ihrem Alltag vergessen haben, dass sie zu einem großen Ganzen gehören und das Bewusstsein darüber möchte ich  wecken.

Zur Vernissage der  Ausstellung „Mikkai Seimei“ – Myterious World  - Magic Nature am 27.05.2019 um 11 Uhr im Max Hünten Haus Zingst wird der Fotograf anwesend sein. Partner der Ausstellung sind Epson und Olympus.

Mehr über seine spannende Arbeitsweise verrät Takehiko Sato am 27.05. 2019 um 17:30 Uhr beim Photographer Talk im Kunsthallenhotel Vier Jahreszeiten.

Aufgeschrieben von Edda Fahrenhorst und Nina Hesse.

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