Sandra Bergemann - Fotokunst aus Mecklenburg-Vorpommern
08.11.2018

Sandra Bergemann - Fotokunst aus Mecklenburg-Vorpommern

Seit Mitte Oktober ist die Fotokunst von Sandra Bergemann, der aus Mecklenburg-Vorpommern stammenden Fotografin, in der Galerie des „Hotel Stone“ in Zingst zu sehen. Im Interview erzählt die Fotografin über ihre Fotokunst, einmalige Erlebnisse beim Fotografieren und anstehende Projekte.

Sandra Bergemann

Die fotografischen Anfänge von Sandra Bergemann standen im Zeichen des Porträts, es waren Filmschauspieler aus der ehemaligen DDR, die sie porträtierte bevor sie sich ab 2010 neuen Sujets zuwandte. Mit großem Erfolg machte sie sich daran, den oberflächlichen Abbildungscharakter der Fotografie zu überwinden. Sandra Bergemann gelingt es, die Realitätszugehörigkeit aufzulösen. Des Weiteren widmet sich Bergemann den technischen Möglichkeiten, die im Medium begründet sind, wie der Langzeitbelichtung.

  • Was bedeutet es, den Abbildungscharakter der Fotografie zu überwinden?
    Eine Fotografie, die etwas „einfach nur“ zeigt wie es ist, interessiert mich nicht. Ich will andere Dinge sichtbar machen, die Dinge, die sich nicht erzählen lassen, Dinge in den Zwischenräumen.
  • Ihre Bilder sind sehr abstrakt. Warum arbeiten Sie mit der Fotografie und nicht etwa mit Malerei bzw. sind auch andere Medien an dem Prozess beteiligt?
    Fotografie war immer das, was ich machen wollte. Ich kann nicht zeichnen oder malen, daher habe ich mich viel mit Fotografie beschäftigt. Es ist paradox und gleichzeitig super spannend, etwas anderes als die 1:1-Abbildung eines Objektes vor der Linse zu finden und die Abbildungen sozusagen umzuformen oder die Landschaften nur im Kopf des Betrachters entstehen zu lassen. Gerade weil es das Medium ist von dem man etwas anderes erwartet als Abstraktion, ist es eine spannende Herausforderung sich damit auseinanderzusetzen.
  • Sind die Ergebnisse geplant oder werden Sie davon überrascht?
    Meine Arbeiten entstehen zum Teil spielerisch und zum Teil geplant. Für die Serie "Aus der Tiefe" musste ich unzählige Male versuchen, die Bewegung der Wellen, mit der Bewegung der Kamera und der Perspektive in der für mich richtigen Art und Weise zu verbinden. Das ist dann sehr meditativ vor Ort so konzentriert zu arbeiten. Eine tolle Erfahrung.
  • Welches ist ihr Lieblingsbild in der Ausstellung "Versuche gegen das Abbild" und warum?
    Es ist schwierig, das eine Lieblingsbild heraus zu suchen, da ich ja nur Bilder zeige, mit deren Inhalt ich komplett übereinstimme. Ich könnte aus den einzelnen Serien Bilder benennen, die mir besonders am Herzen liegen: das hochformatige Bild „no. 4“ aus der Serie „Von der Welt im Inneren“, weil ich mich so gefreut habe, dass ich beim Wandern in der Schweiz diesen Blick zu dem Berg hinauf in dieser Perspektive gefunden habe. Oder „no. 1“ aus „FP-100“, weil es diese Kraft und Dynamik hat, gleichzeitig aber auf mich auch irgendwie fragil wirkt.
Versuche gegen das Abbild
Versuche gegen das Abbild
  • Welches war Ihr schönstes/schlimmstes Erlebnis beim Fotografieren?
    Als ich meine „Gesichter der DEFA“-Reihe fotografierte, habe ich das noch auf analogem Filmmaterial getan. Oft wenn man sich soweit vorgearbeitet hatte, dass die Person die Kamera vergaß, war der Film voll. Die schönsten Erlebnisse beim Fotografieren sind die, wenn ich draußen bin und ich hochkonzentriert die Natur anschaue, um mein Bild zu finden. Diese tiefe, fast meditative Fokussierung auf die Natur ist eine große Bereicherung für mich.
  • Welche Projekte stehen bei Ihnen als nächstes an?
    In Stralsund nehme ich an der Ausstellungsreihe „Kunst im Rathaus“ teil. Ab 19.11. wird dort ein Bild aus meiner Serie „Sturm und Drang“ gezeigt. Für das nächste Jahr stehen drei Ausstellungsprojekte in Mecklenburg-Vorpommern an. Lassen Sie sich überraschen.

Ausstellungsbegleitend gibt es einen Katalog von Sandra Bergemann, welcher direkt im Hotel Stone oder im Max Hünten Haus Zingst erworben werden kann.

Die Ausstellung "Versuche gegen das Abbild" ist vom 31.10.2018 bis zum 01.02.2019 im Galeriekeller des Hotel Stone zu besichtigen. Vorbeikommen lohnt sich! Diese Galerie ist ein echtes Schmuckstück.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 16:00 Uhr Montags geschlossen!

Das Interview führte Nina Hesse

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