„Schutzbedürftig: Orang Utans, die letzten ihrer Art"
08.04.2019

„Schutzbedürftig: Orang Utans, die letzten ihrer Art"

Diese Open-Air-Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion von drei internationalen Fotografen: Björn Vaughn, Ulet Ifansasti und Jayaprakash Bojan. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, auf die Rodung des Regenwaldes und die damit einhergehende Reduzierung der Lebensräume der Orang-Utans aufmerksam zu machen, Lösungsansätze aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass es Hoffnung gibt: für die Orang-Utans, für ihre Lebensgrundlage, für ihr Überleben.   

Seit 2016 wird der Borneo-Orang-Utan auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion als „akut vom Aussterben bedroht“ geführt. National wie international stehen sie deshalb unter strengem Schutz. Ihr Lebensraum in der Regel aber nicht.

Der Fotograf und Filmproduzent Björn Vaughn lebt seit 2009 auf Borneo und widmet seine Arbeit der Umweltaufklärung und natürlich den Orang-Utans. Im Interview verrät er, stellvertretend, welche Ziele er mit seiner Arbeit verfolgt:

horizonte zingst:  Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Ich kam 1989, damals noch in Hamburg lebend, zur Fotografie, als mir meine Mutter zum achten Geburtstag eine Kompaktkamera schenkte. Von dem Moment an war die Kamera mein ständiger Begleiter und ich fand es toll, die Filme im örtlichen Supermarkt entwickeln zu lassen. Seit dem Jahr 2000 war ich sieben Jahre lang bei Leica Fotografie International (LFI) und der Leica Camera AG tätig. Dies ermöglichte es mir als Fotograf zu arbeiten und öffnete meine Augen für die große Welt der Fotografie. 2009 stieg ich ins Fach der Filmproduktion ein. Ich half bei der Gründung einer Filmfirma in Zentralkalimantan auf dem indonesischen Teil der Insel Borneo. Der Übergang von der Fotografie zur Filmproduktion war herausfordernd, fühlte sich aber auch ganz natürlich an. Inzwischen bin ich mit ganzem Herzen in der Filmproduktion angekommen - aber die Fotografie wird immer meine erste Liebe sein, mit der ich von Zeit zu Zeit ein Date habe.

Seit wann leben und arbeiten sie auf Borneo und vor allem warum?

2009 zog ich nach Zentralkalimantan, den indonesischen Teil Borneos. Hier leite ich die Filmproduktionsfirma „Borneo Productions International“ (BPI). Als im Zuge der Finanzkrise von 2008 Sendeanstalten immer seltener Filmteams nach Borneo schickten, waren wir in der perfekten Position, um einen Nischenmarkt zu bedienen. Heute produzieren wir mit unserer Firma nicht nur Filme auf Borneo und dem gesamten indonesischen Archipel, sondern verwirklichen weltweit Projekte in China, Thailand, Malaysia, Kirgisistan, Suriname, Marokko, Dschibuti und darüber hinaus. Zu unseren Kunden zählen unter anderem: das ZDF, die BBC, Channel 4 und die Vereinten Nationen. Meine Brand- und Smogfotos, die die Torfbrandkatastrophe von 2015 auf Borneo dokumentieren, wurden in Leonardo DiCaprios Film „Before the Flood“ auf NatGeo verwendet. Zurzeit bin ich einer der beiden Hauptkameramänner der „Orangutan Jungle School“ (NHNZ / BOS Foundation / BPI), die in vielen Ländern der Welt ausgestrahlt wird. Weil wir auf Borneo leben und diese Insel lieben, bedienen wir häufig Umweltthemen – und natürlich Orang-Utans. Diese Arbeit auf Borneo erfüllt mich und ist sinnstiftend. Das ist einer der Gründe, warum ich noch immer hier bin.

Gibt es ein Ziel, das Sie mit Ihrem Projekt zu erreichen hoffen?

Es gibt für mich offensichtliche und nicht ganz so offensichtliche Hoffnungen und Ziele für dieses Projekt. Ich möchte das Bewusstsein für die Gefährdung der Orang-Utans, die Zerstörung der Regen- und Torfmoorwälder, die schwerwiegenden Folgen für das lokale und globale Klima und die Auswirkungen auf zukünftige Generationen schärfen. Ich möchte zeigen, wie schön und wichtig unsere Wälder und die Artenvielfalt sind. Ich wünsche mir, dass die Menschen lernen, sich mehr um die Umwelt zu kümmern und Orang-Utans als die fühlenden Wesen wahrnehmen, die sie sind – und wie ich es erfahren habe. Aber ich klage niemanden an oder versuche, die Welt zu retten. Was wir hier mit begrenzten Mitteln zeigen, sind nur Fragmente einer hochkomplexen Geschichte, mit vielen Problemen und wenigen offensichtlichen Lösungen. Außerdem möchte ich, mit diesem Projekt auch zeigen, wie drei Jungs aus verschiedenen Teilen der Welt eine Leidenschaft teilen, verdeutlichen, was ihnen am Herzen liegt und damit vielleicht andere Menschen auf ihrer Lebensreise ermutigen. Selbst die kleinste Aktion kann eine große Wirkung haben.

Welche Begegnung hat Sie am meisten berührt?

Viele Erfahrungen und Begegnungen hier auf Borneo haben mich sehr bewegt. Dazu zählen der Flug in einem winzigen Wasserflugzeug über das Herz von Borneo, viele Abenteuer im Dschungel bis hin zu besonderen Begegnungen mit anderen fühlenden Arten wie Malayenbären, Gibbons und dem weltweit einzigen bekannten weißen Orang-Utan – Alba. In Indonesien ein Zuhause gefunden zu haben, mit einem wunderbaren internationalen Team zusammenzuarbeiten, große Herausforderungen zu meistern, Vater zu sein. All das berührt mich sehr.

Haben Sie Pläne für ein neues Projekt?

Mein fortlaufendendes Projekt ist es, meine Erfahrungen mit den Menschen zu teilen, deren Leidenschaft das Filmemachen, die Fotografie und das Erzählen von Geschichten ist. Wir haben das Glück, viele wundervolle Projekte auf Borneo zu haben – etwas, das ich nicht für selbstverständlich halte. Ich möchte darum Ulet Ifansasti und Jayaprakash Bojan würdigen, zwei Weltklasse-Fotografen, mit denen ich die Ehre habe, die Bilder in der Open-Air Ausstellung „Schutzbedürftig – Orang Utans, die letzten ihrer Art“ zu zeigen. Was für ein wunderbarer Weg, sie und ihre Art zu würdigen!

Und last but not least: Was bedeutet Ihnen die Teilnahme am zwölften Umweltfotofestival »horizonte zingst«?

Irgendwo tief in meinem Inneren glaube ich, dass sich die Dinge zum Besseren verändern können. Das Umweltfotofestival »horizonte zingst« trägt dazu bei, das Bewusstsein für die Umwelt, die Artenvielfalt und den Planeten zu schärfen. Ich freue mich darauf, zusammen mit vielen anderen herausragenden Fotografen, Teil dieses Festivals zu sein. Und mein Foto von Alba, dem Albino-Orang-Utan, viereinhalb Meter hoch gedruckt zu sehen, ist überwältigend. Ein großes Dankeschön geht an die BOS (Borneo Orangutan Survival) Foundation, BOS Deutschland e.V. für ihr Engagement und die Möglichkeit, dass ich über die Jahre hindurch so eng mit den Orang-Utans zusammenarbeiten durfte.

Die großformatige Open-Air Ausstellung Schutzbedürftig: Orang Utans, die letzten ihrer Art" ist auf dem Postplatz II in Zingst vom 25.05.2019 bis 15.04.2020 zu sehen, und entstand aus der Zusammenarbeit mit den Partner:Epson, Filmolux und BOS.

Das Interview führte Nina Hesse.

Bildunterschriften:

1.     Kessi on her pre-release island in Central Kalimantan, Indonesia. © Björn Vaughn | BOS Foundation | BOS Deutschland E.V

2.     Animation: The end of a million year journey? © BOSF | BOS DE | BPI

3.     Interview with orangutan babysitters at Samboja Lestari, East Kalimantan, Indonesia. © BPI | BOSF| BOS DE

4.     97% the same DNA. © Björn  Vaughn | BOSF | BOS DE

5.     Wheelbarrows full of orphaned orangutans. © Björn Vaughn | BOSF | NHNZ

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