Tom Krausz – Auf dem Land
19.02.2020

Tom Krausz – Auf dem Land

Von Ackerbau, Vieh und Menschenhand erzählt der Fotograf im Interview.

Industrialisierte Landwirtschaft, Massentierhaltung und Gentechnik bestimmen den Trend. Doch es gibt auch Zeichen der Rückbesinnung, die zeigen wie sehr das Bedürfnis der Menschen nach gesunden Lebensmitteln in Bioqualität wächst. Vor diesem Hintergrund hat der Fotograf Tom Krausz Höfe mit unterschiedlichen ökologischen Ansätzen aufgespürt und Landarbeit in seiner ursprünglichen Form dokumentiert. 

Im Interview erzählt Tom Krausz woher die Idee zu dem Projekt stammt, wie er die Höfe gefunden hat und warum er seine Bilder bewusst in schwarzweiß fotografiert hat:

horizonte zingst: Wie ist es zu dem Fotoprojekt „Auf dem Land“ gekommen?

Tom Krausz: In vielen redaktionellen Reportagen habe ich mit der Landwirtschaft zu tun gehabt, z.B. recherchierte ich über den Kohlanbau in Dithmarschen, ebenso über die Tabakernte in Schleswig-Holstein aber auch über Käser in der Schweiz. Inspiriert wurde ich zu diesem Projekt durch die Arbeit berühmter amerikanischer Fotografen der 1930er Jahre, z.B. Dorothea Lange, die im Auftrag der damaligen Regierung und der Farm Security Administration (FSA) beauftragt wurden Farmer des Landes zu fotografieren und deren Arbeit zu dokumentieren. Dass wir einen Wandel erleben, hin zur ökologischen Landwirtschaft, hat die Arbeit und mein Interesse beflügelt.

Wie haben Sie die Themen und Motive gefunden?

Nach Recherche und Hinweisen, wer umgestellt hat und nun ökologisch arbeitet, nahm ich Kontakt zu den jeweiligen Betrieben auf. Oft half die direkte Ansprache auf dem Acker, dem Feld oder auf dem Hof. In den Gesprächen mit den Bauern habe ich erfahren, wer noch interessant wäre für einen Besuch. Fast drei Jahre lang bin ich übers Land gefahren und habe Höfe entdeckt, angesprochen und bin überall auf offene Ohren und Türen für diese Reportage gestoßen.

Mussten Sie Überzeugungsarbeit leisten?

Es gab einige skeptische Bauern, die ich mit Hilfe von Arbeitsbeispielen schnell für das Projekt begeistern konnte. Eine ehrliche Wertschätzung der Arbeit half ebenso wie der inhaltliche Anspruch.

Warum wurden die Aufnahmen in schwarzweiß gemacht?

Schwarzweiß gilt als eine zeitlose Sprache der Fotografie. Es sollte auch hier eine Analogie zu der Arbeit der amerikanischen Kollegen erkennbar sein. Oftmals laufen Aufnahmen vom Land in Farbe auch Gefahr, zu beliebig und zu romantisch rüberzukommen. Fast jeder Hof hat während der Arbeit immer wieder betont, dass Landwirtschaft, wenn sie wirtschaftlich überleben soll, harte Arbeit ist und die „Romantik auf dem Land“ eher hinten ansteht.

Was ist die zentrale Aussage und Botschaft des Fotoprojekts?

Ich möchte zeigen wie die traditionelle Landwirtschaft sich wandelt und mit welchem Einsatz die Bauern arbeiten. Oft werden fast verdrängte Arbeitstechniken und Arbeitsgeräte wieder entdeckt und eingesetzt. Gerade junge Bauern versuchen neue Wege zu gehen, in Ackerbau oder auch Viehzucht und sind damit erfolgreich. Das Darstellen der unterschiedlich großen und kleinen Landwirtschaften, jeder mit eigener Philosophie und mit unterschiedlichem ökologischen Ansatz, machte die Aufgabe reizvoll und soll mit dem Mittel der Fotografie informieren.

Die Ausstellung „Auf dem Land – von Ackerbau, Vieh und Menschenhand“ ist vom 16.05.2020 – 20.04.2021 auf dem Museumshof zu sehen. Zur Vernissage am Donnerstag, den 21.05.2020 um 13:30 Uhr, ist der Fotograf anwesend und während des Festivals außerdem beim Photographer Talk zu erleben.

Partner der Ausstellung sind Epson und Neschen.

Das Interview führte Klaus Tiedge per email.

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