Was kannst Du tun?
15.05.2019

Was kannst Du tun?

Medienwirksame Projekte zum Thema Umweltschutz gibt es viele, welchen Beitrag aber kann jeder einzelne leisten? Umweltbewusstes Handeln beginnt oft direkt vor der eigenen Haustür. In diesem Sinne hat der Fotograf Lars Heidemann in der Region Fischland-Darß-Zingst Menschen porträtiert, die sich sowohl im Beruf als auch im Privatleben durch umweltbewusstes Handeln auszeichnen.

Diese Open-Air-Ausstellung nimmt im Zingster Ausstellungsspektrum einen besonderen Stellenwert ein, weil sie die aktive Zusammenarbeit des Umweltfotofestivals »horizonte zingst« mit dem Greifswalder Fotografen Lars Heidemann abbildet. Gemeinsam wurde die Idee dieser Projektarbeit entwickelt, um dann zielgerichtet die Einwohner des Ostseeheilbades Zingst und der Region zu fotografieren. 

Im Interview erzählt Lars Heidemann, wie er seine Protagonisten ausfindig gemacht hat und welche Besonderheit seine fotografische Arbeitsweise aufweist:

horizonte zingst: Herr Heidemann, bitte stellen Sie sich kurz vor.

Ich bin Lars Heidemann, gebürtig aus Karlsburg bei Greifswald und seit zehn Jahren dort auch wieder wohnhaft. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit künstlerischer und dokumentarischer Fotografie.

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Zur Fotografie bin ich über Umwege während meines Studiums in Greifwald gekommen. Anfänglich war es die Faszination für die analoge Fototechnik und die Magie des gesamten Prozesses in der Dunkelkammer. Nach und nach wurde das Interesse an der Fotografie-Geschichte größer und die Frage, was ein Bild zu einem guten Bild macht, stand mehr und mehr im Mittelpunkt.Der Schwerpunkt meiner fotografischen Arbeit liegt seit ein paar Jahren auf Langzeit-Projekten, die sich alle auf verschiedene Weise mit dem Einfluss des Menschen auf Natur und Umwelt im ländlichen und urbanen Raum befassen. Diese Projekte sind Landschaftsfotografien, in denen Menschen zwar eine tragende Rolle spielen, aber in der Regel nicht abgebildet sind. Die Porträtfotografie hat aber schon immer ihren ganz eigenen Reiz für mich.

Wie gehen Sie in der Umsetzung ganz praktisch vor und welche Besonderheiten gibt es dabei?

Für mich muss der fotografische Prozess möglichst unkompliziert sein. Ich mag die ursprüngliche „analoge“ Art der Fotografie insbesondere mit Schwarzweißfilm sehr gern, weil sie einem viele Entscheidungen abnimmt und automatisch einen bestimmten Look mit sich bringt, den man nicht mit digitalen Filtern und Ebenen künstlich erzeugen muss.Für das Projekt „Mensch und Umwelt“ fand ich es passend, meine knapp 50 Jahre alte Hasselblad zu verwenden. Die Kamera funktioniert wie am ersten Tag und liefert hervorragende Ergebnisse – und das völlig ohne Strom. Darüber hinaus arbeite ich mit den schönen alten Kameras weitaus ruhiger und konzentrierter und werde nicht durch permanente Kontrollblicke auf ein Display unterbrochen. Ein großer Vorteil ist auch, dass ich anschließend nicht aus hunderten Fotos das Beste aussuchen muss, weil es immer nur wenige Belichtungen gibt.Am liebsten arbeite ich mit natürlichem Licht. Dabei hat man zwar weniger Kontrolle als im Studio, aber auch hier werden einem wieder viele Entscheidungen abgenommen. Das ist immer auch ein Stück weit Improvisation, was ich sehr mag.Für das Projekt habe ich die Menschen in ihrer vertrauten Umgebung, zu Hause oder an ihrem Arbeitsplatz fotografiert. Die Orte spiegeln immer auch einen Teil der Identität der Menschen wider und geben Hinweise auf die Themen, mit denen sie sich beschäftigen. Außerdem fühlen sich die porträtierten Leute hier deutlich wohler als in einer künstlichen Studiosituation

Warum spielt das Projekt „Mensch und Umwelt“ in Zingst und Umgebung?

Das hat verschiedene Gründe. Zum einen denke ich, dass wir oft sehr weit über den Tellerrand hinaus schauen und dabei die vielen kleinen Dinge, die direkt vor unserer Haustür passieren, übersehen. Mit dem Projekt zeige ich in Zusammenarbeit mit dem Fotofestival »horizonte zingst« auch, dass es eben nicht nur die großen medienwirksamen Projekte sind, die zum Umweltschutz beitragen, sondern auch kleine Aktionen und ein bewusstes Leben im Alltag, beruflich und privat

Wie wurden die Menschen auf den Bildern gefunden und nach welchen Kriterien wurden sie ausgewählt?

Durch viele gute Tipps und Vorschläge von Kollegen hatte ich innerhalb kurzer Zeit eine stattliche Liste mit Kontakten engagierter Menschen aus Zingst und der Umgebung. Das wichtigste Kriterium dabei war es, dass sie in irgendeiner Form mit Ihrer Arbeit oder umweltschonendem Handeln zum Umweltschutz beitragen.

Welche Beispiele des umweltbewussten Handelns haben sie besonders beeindruckt?

Jeder der Porträtierten ist auf eine ganz eigene Weise beeindruckend und die Bandbreite des umweltbewussten Handelns ist dabei wirklich groß. Ein Beispiel, das mich überrascht hat, ist der äußerst effiziente Materialeinsatz der Segelmacherei, wo praktisch fast kein Abfall entsteht und selbst aus dem Verschnitt verschiedene wunderbare Produkte genäht werden. Auch der unermüdliche Einsatz der Ranger, die das ganze Jahr bei Wind und Wetter für freie Wege und Sicherheit im Nationalpark sorgen, ist wirklich beachtlich. Spannend sind die Geschichten und Hintergründe eines jeden einzelnen, ihre Beweggründe usw. die ich in den Gesprächen während der Fotoshootings erfahren habe.

Was ist Ihr fotografisches Ziel - sowohl inhaltlich als auch formalästhetisch?

Allen meinen Bildern, egal ob Landschaften oder Porträts, versuche ich immer etwas Zeitloses oder „Klassisches“ zu verleihen. Gute Bilder „funktionieren“ aus meiner Sicht auch unabhängig von Kontext und Zeitgeist und sind auch lange nach ihrer Entstehung noch spannend anzuschauen.Ansonsten wird die Beziehung zwischen Mensch und Umwelt wohl noch lange das Hauptthema meiner fotografischen Arbeit bleiben, weil es sich ständig ändert und nie aufhört spannend zu sein. Die aktuell wachsende Diskussion rund um das Thema, wie wir mit der Umwelt umgehen, zeigt auch deutlich, dass wir uns alle dringend damit auseinandersetzen sollten.

Ein Blick in die Zukunft - was planen Sie als Nächstes?

Das Projekt „Mensch und Umwelt“ wird voraussichtlich noch eine Weile fortgesetzt, da wir in der Ausstellung nicht annähernd so viele engagierte Menschen aus der Region zeigen konnten, wie auf der Liste stehen.Daneben habe ich meine Landschaftsprojekte, für die ich weiter fotografiere. Einige Ausstellungen stehen dieses Jahr noch an und eine abgeschlossene Fotoserie wartet schon lange darauf, endlich als Fotobuch präsentiert zu werden.

Was verbinden Sie mit Zingst?

Zingst begleitet mich nun schon einige Jahre – immer in Verbindung mit dem Umweltfotofestival »horizonte zingst« und der Fotografie. Anfangs noch als Student und Teilnehmer am Young Professionals-Projekt, ist es mittlerweile zu meinem Arbeitsmittelpunkt geworden. 365 Tage im Jahr Fotografie, etwas Besseres gibt es nicht.

Was bedeutet Ihnen die Teilnahme am zwölften Umweltfotofestival »horizonte zingst«?

Das 12. Umweltfotofestival ist für mich etwas ganz Besonderes, da mit der Ausstellung „Mensch und Umwelt“ ganz viele Dinge, die mir am Herzen liegen, miteinander verschmelzen: Meine Arbeit in Zingst, die Menschen in der Region und ihre Geschichten, sehr viele wichtige Umweltthemen und nicht zuletzt die Leidenschaft für die Fotografie.

 

Die Open Air-Ausstellung "Mensch und Umwelt" ist rund um den Museumshof Zingst ab dem 25.05.2019 zu sehen, eine Vernissage findet am 13.06.2019 um 11:00 Uhr statt.

Partner der Austellung sind Epson | Filmolux| Ostsee-Zeitung

Das Interview führten Edda Fahrenhorst und Nina Hesse.

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