York Hovest und das Projekt „Helden der Meere“
16.05.2019

York Hovest und das Projekt „Helden der Meere“

Der Zustand der Meere hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verschlechtert. Klimawandel, Plastikmüll und Überfischung bedrohen die Ozeane und Meere unsere Erde. York Hovest hat die unterschiedlichsten „Helden der Meere“ weltweit begleitet und zeigt mit ihnen Lösungen auf, um diesen dramatischen Veränderungen zu begegnen. Ende des Jahres rudert er mit zwei Freunden über den Atlantik. Mit dieser Aktion möchte er auf dieses einmalige Projekt aufmerksam machen und wird von »horizonte zingst« unterstützt.

Im Interview verrät er spannende Details seiner Atlantiküberquerung: 

horizonte zingst: Herr Hovest, Sie bezeichnen sich selbst als „investigativen Fotografen“, welche Bedeutung steckt dahinter?

York Hovest: Die Themen meiner Projekte befassen sich stets mit kritischen Ist-Zuständen unserer Umwelt, dazu gehören Jahrhunderte alte Kulturen, gefährdete Völker oder bedrohte Ökosysteme. Begleitend zeige ich auch die Gefahren und Bedrohungen (selbst), um dem Betrachter meiner Arbeit ein tieferes Verständnis zu ermöglichen. Daher der Zusatz investigativ. Ich arbeite in meinen Projekten auch vereinzelte Themen genauer aus und stoße so von Zeit zu Zeit auf komplexere Zusammenhänge, die dann manchmal viel größere Kreise ziehen, als anfänglich gedacht. So passiert beim Amazonas Projekt: Bei Recherchearbeiten zu Abholzungsgebieten folgte ich einer Google-Earth Satelliten Aufnahme, die mich letztendlich zu einer der größten illegalen Cocaplantagen Perus führte, deren Betreiber heute untergetaucht ist, nachdem seine Machenschaften ans Licht kamen.  

Gibt es ein verbindendes (fotografisches Element) zwischen Ihren Projekten „100 Tage Tibet“ | „100 Tage Amazonien“ und „100 Tage Ozeane – Helden der Meere“?

Mein fotografisches Alleinstellungsmerkmal findet sich in einer Bildästhetik wieder, die selbst in unschönen Situationen in Ihrer Komposition ein schönes Motiv ausmacht. Jedes Foto birgt eine große Geschichte in sich. Solche speziellen Bilder finden sich in allen drei Projekten wieder. Darüber hinaus liebe ich ausdrucksstarke Porträts, denn sie sagen viel über das Leben der Menschen aus. Beim Ozeanprojekt sind es dagegen eher die Makroaufnahmen, die mich besonders fasziniert haben. Bei all den großen, beeindruckenden Lebewesen im Meer ist die Schönheit im Kleinen und im Detail nicht zu verachten.Allen Projekten gemein ist die Kombination aus erschreckenden Tatsachen und der Schönheit, die wir verlieren könnten, wenn sich nichts in Zukunft ändert. Der Wechsel zwischen diesen beiden Themen ist eine sensible Sache, aber notwendig, um die Message, die hinter jedem Projekt steht zu verdeutlichen.

Wie sind Sie auf die Idee zu „Helden der Meere“  gekommen?

Seit meiner Jugend bin ich ein leidenschaftlicher Taucher und fühle mich dem Element Wasser sehr verbunden. Aus diesem Grund möchte ich auf die Schutzbedürftigkeit unserer Ozeane aufmerksam machen und so das Bewusstsein für Umweltschutz stärken. So ist die erste Idee zu „Helden der Meere“ entstanden. Ursprünglich sollte das Projekt, wie die beiden anderen zuvor ein „100 Tage“- Projekt werden, doch wir haben schnell erkannt, dass dieses Mal etwas viel Größeres entstehen wird, denn das Alleinstellungsmerkmal von „Heroes of the Sea“ sind ja nun einmal die Helden. Ich wollte den Betrachtern eine Idee davon geben, was es da draußen schon alles an Lösungsansätzen gibt, die auf den Erhalt der marinen Biodiversität abzielen. Und das jeder Einzelne von uns ebenfalls seinen Teil dazu beitragen kann. So entstand die Idee zu „Heroes of the Sea“.

Gibt es ein Ziel, das Sie mit ihrem Projekt zu erreichen hoffen?

Ich versuche den Menschen Einblicke zu gewähren in eine fremde und bedrohte Welt, deren Überleben für die Menschheit von existenzieller Bedeutung ist. Dieser Zusammenhang macht die Wichtigkeit vielleicht am greifbarsten. Ich versuche mit meinem Projekt zu zeigen, dass es Hoffnung gibt, und wie genau diese aussehen kann. Die Menschen, die ich für „Heroes of the Sea“ porträtiert und deren Arbeit ich dokumentiert habe, sind Vorbilder für uns alle. Sie setzen sich für das Überleben der Meere ein und haben Wege gefunden, die Probleme anzugehen. Sie geben Hinweise darauf, wie sich die Auswirkungen auf die Umwelt so gering wie möglich halten lassen.

Welche Begegnung hat Sie am meisten berührt?

Es hat viele sehr emotionale Begegnungen während meiner vielen Reisen zu diesem Projekt gegeben. Die Expedition nach Haiti, wo wir die Plastikproblematik dokumentiert haben, hat mich wohl am tiefsten berührt. Die Armut und Hilflosigkeit der Menschen dort ist erschreckend. Es gibt weder Abfallentsorgung noch irgendeine funktionierende Infrastruktur. Anfallender Müll wird direkt auf der Straße entsorgt, da es kein vom Staat geregeltes System gibt. Das führt natürlich zu einer dramatischen Lage, aus der die Menschen nicht allein herauskommen. Aber ich bin natürlich auch unglaublich froh darüber, wenn ich in solchen Situationen sehe, das es Hoffnung gibt. Wie z.B. David Katz, der mit seiner Firma „Plastic Bank“ in Haiti und anderen Hotspots dieser Erde den Menschen die Chance auf eine bessere Zukunft bietet. Dadurch, dass er mit seinem globalen Recyclingsystem dem Müll einen Wert gibt, soll dieser in Zukunft gar nicht erst im Meer landen, sondern direkt in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Den Menschen werden im Austausch gegen gesammeltes Plastik Nahrungsmittel, Elektrizität, Wasser und Geld angeboten. 

Die Arbeit mündet in ein Buchprojekt – warum ein Buch?

Der Bildband ist bei diesem Projekt zum ersten Mal nicht nur das einzige Ziel. „Helden der Meere“ ist ein multimediales Projekt und wird im Herbst/Winter 2019 auch als Dokumentarfilm erscheinen. Hierfür hatte ich auf meinen Reisen immer auch Kameraleute und meine Direktorin dabei, um gleichzeitig fotografieren und filmen zu können. Am Ende wird dieses Projekt jedoch in einer digitalen Datenbank münden, die alle Rettungsmaßnahmen für unsere Ozeane bündelt. Eine Plattform, um die „Helden der Meere“ vorzustellen und ihre Arbeit zu zeigen, damit sich alle Menschen darüber informieren können, wie und wo Sie selbst aktiv werden können.

Ende des Jahres wollen Sie, als einer von drei Ruderern mit einem Hochsee-Ruderboot den Atlantik überqueren. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, wie bereiten Sie sich darauf vor und vor allem, was möchten Sie mit dieser Aktion bewirken?

Die Überquerung des Atlantischen Ozeans ist bereits seit langem ein Vorhaben in meinem Hinterkopf. Nun passt es endlich auch thematisch in eines meiner Projekte. Die Ruderei ist die perfekte Werbemaßnahme für das gesamte Projekt, da wir uns während der Reise komplett auf unsere Kräfte und den Ozean verlassen müssen. Wir werden der Kraft des Meeres ausgesetzt sein und spüren am eigenen Leib, wie klein der Mensch ist, im Vergleich zur Natur. Wir rudern für die Helden meines Projektes. Für die Vorbilder und Ideengeber für Lösungswege.Natürlich geht das Ganze nicht ohne Vorbereitung, das ist klar. Wir alle rudern täglich mehrere Stunden. Das Boot liegt in Tutzing am Starnberger See, wo wir regelmäßig die Wochenenden zu Trainingszwecken verbringen. Im Dezember 2019 soll es dann losgehen: In circa 50 Tagen von Gran Canaria aus nach Barbados.

Was bedeutet Ihnen die Teilnahme am 12. Umweltfotofestival »horizonte zingst«?

Es erfüllt mich mit Freude, ein drittes Mal in Folge am Umweltfotofestival teilzunehmen. Es ist ein wundervolles Festival, das den Titel „Umwelt“ nicht umsonst im Namen trägt. Hier wird viel gezeigt, was den Betrachter zum Umdenken anregen kann. Das gefällt mir unheimlich gut. Auch ist die Stimmung hier eine ganz besondere, was wohl auch an der einzigartigen Lage liegt. Ich fühle ich hier rundum wohl und freue mich, den Menschen meine Arbeit in einem solch gelungenen Rahmen zeigen zu können. Ob es nun die Ausstellungen sind, die Multivisionsshow oder in diesem Jahr das Ruderboot, mit dem ich den Atlantik überqueren werde. Ich habe mich dazu entschlossen, es auf dem Umweltfotofestival zu präsentieren, um den Besuchern einen kleinen Eindruck davon zu geben, was auf mich und meine zwei Begleiter zukommen wird, wenn wir im Dezember losrudern. Die ganze Aktion bewirbt ja mein Projekt „Helden der Meere“, mit dem ich auch schon im vergangenen Jahr in Zingst zu Gast war.

Im Rahmen des Festivals werden Sie die Multivisionsshow „100 Tage Ozeane – Die Helden der Meere“ halten. Was erwartet den Besucher bei ihrer Multivisionsshow?

Ich werde fantastische Unterwasseraufnahmen und Videos zeigen, die es so in meinem Vortrag vorher noch nicht gegeben hat. Die Schönheit darf nicht fehlen, sonst wüssten wir ja nicht, was alles auf dem Spiel steht. Ich habe in der Cortez-See einen wilden Pod Orkas fotografiert und gefilmt. Diese Aufnahmen zeigen ein bisher noch nicht dokumentiertes Verhalten der Tiere. Auch den wohl berühmtesten Räuber der Meere bringe ich mit nach Zingst, (den weißen Hai) und natürlich die Helden mit ihren bewegenden Geschichten. Es wird auf jeden Fall spannend und mitreißend. Der Vortrag unterscheidet sich wesentlich von dem des letzten Jahres. Meine Reisen sind nun alle komplett, und der Inhalt ist um unglaublich viele tolle Bilder erweitert, ich freue mich riesig darauf, ihn zu zeigen!

 

Vom 25.05. – 01.06.2019  wird York Hovest ab 11:00 Uhr in der Strandstraße allen Festivalbesuchern einen exklusiven Blick auf das Ruderboot „H.O.T.S.“ gewähren, mit dem er Ende des Jahres den Atlantik überquert.Live erleben kann man den Fotografen zudem in seiner Multivisionsshow „100 Tage Ozeane– Die Helden der Meere “. Mit beeindruckenden Bildern und Videos, wie sie so noch nie aufgenommen wurden nimmt der Münchner sein Publikum mit auf eine abenteuerliche Reise voller Emotionen.

Das Interview führte Nina Hesse

Alle Fotos: © York Hovest

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